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  Geschichte    
 

 

1880 wurde das Kaffeehaus nach Entwürfen der Ringstraßenarchitekten Gross und Jelinek für Jakob Ronacher erbaut.

   
 

   
  Im Dezember 1880 wird das Café Ronacher von der Familie Sperl übernommen und behält diesen Namen bis heute. Im Sperl „lebten“ Architekten, bildende Künstler, Musiker, Schauspieler, Sänger neben Heerführern und höheren Chargen. Zu den Stammgästen zählten Generalstabschef Conrad von Hötzendorf und die Erzherzöge Josef Ferdinand und Karl Ferdinand. Der Besucherkreis prägte das Café Sperl zum Künstler und Militärcafé. Ein Nebeneinander war möglich trotz der divergierenden politischen und soziologischen Unterschiede. Besonders erwähnenswert ist die „Haagengesellschaft“. Ab 1895 siedelte dieser Malerzirkel im Sperl und der Stammtisch hielt sich bis 1942.    
 

   
 

Doch das allgemeine Mißtrauen gegenüber der sich regelmäßig treffenden „Bürger“ - noch dazu Künstler - während der NSDAP-Zeit und der allgemeinen Einziehung von noch geh- und schießfähigen Männern an die ausblutenden Fronten fand dieser letzte Zeuge einer kontinuierlichen Vereinigung aus der Monarchie ein Ende. Diese Künstlervereinigung setzte sich mit dem eigens zu diesem Zweck gegründeten "Siebenerclub" für die Schaffung der Secession ein. Die Mitglieder Josef Hoffmann, Leo Kleinradl, Adolf Kapellus, Maximilian Kurzweil, Kollo Moser, Josef Olbrich und Friedrich Pilz lösten diesen Stammtisch nach dem Vollzug der Abspaltung von 1861 gegründeten „Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens Künstlerhaus“ unter Fertigstellung des von Olbrich erbauten Ausstellungsgebäudes der „Secessionisten“ stillschweigend auf.

   
 

   
 

Um 1890 begeisterte die Operette die Wiener und wie heute waren das Raimundtheater und das Theater an der Wien Hauptbühnen für die Publikumslieblinge und durch seine Nähe „das Sperl“ Stammkaffee der Stars.
Lewinsky, Girardi, Eysler, Fall, Zeller, Heuberger, Millöcker, Lehar, Kalmann hießen sie und gingen dort ein und aus. Sie prägten bis um 1930 das Geschehen auf den Bühnen und im Sperl.
Im Sperl ist und war der Besucher immer „Stammgast“ im besten Sinn des Wortes, der Tourist wird in diesen Prozess einbezogen und kommt wieder. Wien blieb Wien und das Sperl das Sperl.

   
 

   
  Nach dem 1. Weltkrieg brauchte sich dieses Kaffeehaus nicht in die neue Ära hinüberretten, es wurde von seinen Gästen hinübergetragen. Ohne Qualitäts- und Traditionsverlust durchlebte es die Zeit eines kleingewordenen Österreich, war weiterhin Stammlokal der Komponisten, Maler und Architekten, wurde 1935 unter den gutbürgerlichen Kaffeehäusern an die Spitze gesetzt. Der Kaffee wurde etwas billiger, das rundherum sehr teuer.    
 

   
  Nach dem 2. Weltkrieg konnte man das Sperl durch seine Stammgäste, guten Beziehungen des Besitzers und Bewahrung seiner Tradition über diese Jahre hinüberretten und langsam wieder einen normalen Betrieb aufbauen.    
 

   
 

Im Juni 1968 übernahm Manfred Staub das Kaffeehaus. Um nicht im Staub der Geschichte zu versinken, arbeitete er mit dem Bundesdenkmalamt und Architekt Nairz einen Plan zur Restaurierung der Räumlichkeiten aus, der wohl die Patina belassen sollte und dennoch die Bequemlichkeit, Hygiene und Ansprüche eines zeitgemäßen Lokals zu gewährleisten. Der eigentliche „Herr Sperl“ war ein alter Hase, Vater und Großvater waren bereits einschlägig tätig und der nunmehrige Chef im Sperl hatte vorher das Kaffee Mitterhauser geführt. Sein Unternehmergeist war jedoch nicht nur darauf ausgerichtet Neues schaffen zu wollen, sondern er verband es auch mit jenem Hauch von Sentimentalität, die das positive der Vergangenheit in die Gegenwart tragen will.

   
 

   
 

Heute sind die Literaten immer stärker vertreten und die Stammtischbesetzungen erweiterten sich. Filmaufnahmen erhöhten den Bekanntheitsgrad. Viele Neugierige kamen, schauten und blieben dann auch. In den Achzigerjahren war Jörg Mauthe bestrebt, Literatur ins Café zu tragen. Außer ihm las Pavel Kohout, Peter Marginter, Peter Henisch, Gabriele Schuster, Kurt Sobotka und viele andere. Stars aus den Musicals des Theaters an der Wien logieren im Sperl. Die berühmten Schriftsteller Robert Menasse und Michael Köhlmeier sind aus dem täglichen Bild des Sperls nicht mehr wegzudenken.

 

   
 

Kleine Zeittafel

  1880   Jakob Ronacher eröffnet das von Gross und Jelinek erbaute und eingerichtete spätere Kaffeehaus Sperl.
  1880   Dezember - Das Café Ronacher wird vom Cafetier Sperl übernommen und behält dessen Namen bis heute.
  1884   Adolf Kratochwilla übernimmt das Café Sperl. Es bleibt bis 1968 in Familienbesitz. Ausgangspunkt der "Secessionisten" (3. April 1897), Treffpunkt der Architekten, Maler und des Militärs.
  1895   1. Juni - Der "Siebenerclub" als Stammtisch im Café Sperl gebildet; gründet mit anderen 1897 die Secession.
  1897   22. Mai - Ausgehend von einer Gruppierung im Kaffee Sperl wird die Secession gegründet (Engelhart, Mill, Kollo Moser, Olbrich u.a.) Grundsatz: Das Ausstellungswesen auf eine rein künstlerische, vom Marktcharakter freie Basis stellen. ("Vereinigung bildender Künstler Österreichs Secession")
  1929   Jänner bis Februar - Katastrophenwinter: die Kaffeehäuser einschließlich Sperl schließen wochenweise wegen Unheizbarkeit und eingefrorenen Wasserleitungen.
  1941   25. März - Verdunklungsvorhänge laut Vorschrift werden im Sperl angebracht.
  1942   6. April - Kürzung der Lebensmittelrationen (35. Zuteilungsperiode); in Kaffeehäusern praktisch nur mehr Getränke bzw. Ersatzkaffee erhältlich.
  1945   1. September - Die Franzosen übernehmen den VI. Bezirk als Zone von Russen.
  Um 1950   Das "Espresso" hält in Wien Einzug; durch wenig Aufwand und Personal billige Konsumentenpreise. Dadurch Konkurrenz für die traditionellen Cafés.
  1968   1. Juni - Manfred Staub übernimmt das Café Sperl. Die ehemaligen Besitzer wohnen weiterhin im Gebäude.
  1979   Dezember - Der Mokka klein mit Obers kostet beim Sperl öS 11,-, Mocca groß ös 19,- und die Melange 16 Schilling.
  1983   Grundlegende Restaurierung des Sperl im Sinne von Denkmalpflege und Erhaltung der in hundert Jahren gewachsenen Atmosphäre. U. a. auch Entfernung des auf den Original-parkettboden verlegten Turnsaalbelages.
  1983   Wien feiert das Jubiläum "300 Jahre Wiener Kaffeehaus" traditionell mit dem Datum der Beendigung der 2. Türkenbelagerung.
  1988   In Wien 530 Kaffeehäuser, 650 Kaffeerestaurants, 1060 Espressos, 250 Kaffeekonditoreien und 120 Stehkaffeeschenken.
Sperl wird bestes Café Österreichs von engl. Gastrokritiker Roy Ackerman.
Der englische Gastrokritiker Roy Ackerman erwählt unter 200 europäischen Kaffeehäusern das Sperl zum "Coffee of the Year" 1998 of Austria.
  1999   "Tafelspitz" Bewertung (von Horowitz) im Ranking der Kaffeehäuser mit der höchsten Punkteanzahl 1. Stelle gereiht.
   
       
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